Winterreifen: Pflicht, Profiltiefe und der richtige Zeitpunkt

Symbolbild: Nahaufnahme eines Winterreifenprofils mit Schnee in den Lamellen – Titelbild mit dem Schriftzug „Winterreifen“

In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht nach Kalender, sondern nach Wetter. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Winterreifen gefahren werden – das ist die sogenannte situative Winterreifenpflicht nach § 2 Absatz 3a StVO. Bei trockener Straße im Januar ist der Sommerreifen also erlaubt, bei Schneematsch im Oktober nicht.

Das Alpine-Symbol ist jetzt Pflicht

Lange galt die Aufschrift M+S („mud and snow“) als Nachweis. Diese Übergangsfrist ist seit dem 1. Oktober 2024 endgültig abgelaufen. Als Winterreifen zählt nur noch, was das Alpine-Symbol trägt: ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke, oft auch 3PMSF genannt. Reifen, die nur M+S zeigen, sind seitdem keine Winterreifen mehr im Sinne der Vorschrift.

Was das kostet, wenn man mit den falschen Reifen bei winterlichen Verhältnissen unterwegs ist: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Wer andere behindert, zahlt 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro. Auch der Halter wird belangt, wenn er die Fahrt zugelassen hat: 75 Euro und ebenfalls ein Punkt.

Dazu kommt der Punkt, der im Schadensfall wehtut: Die Vollkaskoversicherung kann die Leistung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, wenn du mit Sommerreifen auf Schnee verunglückst.

Wie viel Profil braucht ein Winterreifen?

Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter – für Sommer- wie für Winterreifen. Das ist allerdings die Grenze, ab der es verboten ist, nicht die Grenze, ab der es noch gut funktioniert. Fachlich empfohlen werden mindestens 4 Millimeter bei Winterreifen und 3 Millimeter bei Sommerreifen. Darunter bricht die Wasserverdrängung ein, und genau bei Schneematsch ist das der Unterschied zwischen Bremsen und Rutschen.

Messen kannst du mit einer Ein-Euro-Münze: Der goldene Rand ist drei Millimeter breit. Verschwindet er im Profil, hast du noch mehr als drei Millimeter.

Das Alter zählt mit: die DOT-Nummer

Auf jeder Reifenflanke steht eine vierstellige DOT-Nummer: Die ersten zwei Ziffern sind die Produktionswoche, die letzten zwei das Jahr. „3223″ heißt also 32. Woche 2023. Gummi altert auch ungefahren, es wird härter und verliert Grip. Als Faustregel gilt: ab sechs Jahren jährlich prüfen lassen, ab zehn Jahren tauschen – unabhängig vom Profil.

Wann wechseln?

Die Faustregel heißt „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern. Wichtiger als das Datum ist die Temperatur: Unter etwa 7 Grad Celsius wird die Gummimischung von Sommerreifen hart, der Winterreifen bleibt elastisch und greift besser – auch auf trockener, kalter Straße. In der Region um Bayreuth und im Fichtelgebirge lohnt der frühe Termin, der erste Nachtfrost kommt hier zuverlässig früher als im Tal.

  • Alle vier Räder wechseln, nie nur eine Achse.
  • Luftdruck nach dem Wechsel prüfen, kalt messen.
  • Nach jedem Radwechsel das RDKS anlernen oder zurücksetzen.
  • Radschrauben nach etwa 50 Kilometern nachziehen lassen.
  • Eingelagerte Räder markieren (VL, VR, HL, HR), damit sie beim nächsten Mal diagonal getauscht werden können.
Eingelagerte Saisonreifen im Reifenlager in Bindlach

So gehen wir es in Bindlach an

Reifenmontage, Wuchten und die Einlagerung übernimmt Reifenservice Roßner in derselben Halle – du hast also einen Termin und einen Ansprechpartner, auch wenn gleichzeitig Inspektion oder Bremsen anstehen. Eingelagert wird trocken und sortiert, du kommst im Frühjahr einfach wieder.

Details dazu: Reifenservice & Einlagerung.

Häufige Fragen

Reichen Ganzjahresreifen?

Sie sind ein Kompromiss. Mit Alpine-Symbol erfüllen sie die Vorschrift, im Alltag bei moderaten Bedingungen funktionieren sie ordentlich. Wer viel Autobahn fährt, im Winter in die Berge muss oder ein schweres Fahrzeug bewegt, fährt mit zwei Sätzen sicherer.

Muss ich Winterreifen auch auf dem Anhänger haben?

Für Anhänger gibt es keine Winterreifenpflicht. Die Pflicht gilt für das ziehende Fahrzeug.

Was ist mit dem Reserverad?

Ein Notrad darf auch im Winter Sommerprofil haben – es ist für die kurze Fahrt zur Werkstatt gedacht, mit Tempolimit laut Aufkleber.

Lohnt sich ein zweiter Felgensatz?

Meistens ja. Das Umstecken kompletter Räder geht schneller und schont die Reifen, weil sie nicht jedes halbe Jahr von der Felge müssen. Außerdem bleiben die RDKS-Sensoren an Ort und Stelle.

Passt dazu

← Zurück zum Ratgeber